
Fachkräftemangel, steigende gesetzliche Anforderungen, immer komplexere Lebenslagen: Die Soziale Arbeit steht vor enormen Herausforderungen. Gleichzeitig verändert sich das Berufsfeld rasant durch neue Technologien, neue gesetzliche Rahmenbedingungen und einen wachsenden Bedarf an Fachkräften, die in der Praxis ankommen, bevor sie überhaupt fertig ausgebildet sind.
Genau hier setzt das Format „Sozial vernetzt" an. Mit Veranstaltungen in Solingen, Rheine und Rostock hat die CBS in den vergangenen Monaten an drei Standorten Räume geschaffen, in denen Fachkräfte, Wissenschaftler:innen, Politik und Kommunen ins Gespräch kommen, nicht übereinander, sondern miteinander. Über 60 Teilnehmende insgesamt, drei sehr unterschiedliche Schwerpunkte, aber ein gemeinsamer roter Faden: Soziale Arbeit ist keine isolierte Disziplin, sondern Teil der Infrastruktur unserer Gesellschaft. Und ihre Zukunft lässt sich nur gemeinsam gestalten.
Die Ausgangslage: Soziale Arbeit im Spannungsfeld
In Solingen brachte die Auftaktveranstaltung „Campus Sozial vernetzt – Gemeinsam Zukunft gestalten" die strukturellen Herausforderungen auf den Punkt: Der Fachkräftemangel verschärft sich, gesetzliche Anforderungen steigen, Fälle und Lebenslagen werden komplexer. Soziale Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld von Personenzentrierung, Inklusion, Rechtsansprüchen und strukturellen Grenzen. Es braucht Haltung, um unter diesen Bedingungen professionell, menschenorientiert und verantwortungsvoll zu handeln.
Josef Neumann, MdL, eröffnete mit einem politischen Blick auf die Verantwortung für tragfähige soziale Strukturen. Prof. Dr. Lea Puchert, Studiengangsleiterin an der CBS, sprach über die inklusive Lösung in der Kinder- und Jugendhilfe und die damit verbundenen Herausforderungen. Jana Westphal zeigte, was Personenzentrierung unter den Rahmenbedingungen des Bundesteilhabegesetz (BTHG) in der Praxis wirklich bedeutet, und Christoph Wiechert vom Solinger CBS-Campus beleuchtete den Fachkräftemangel im Sozialwesen sowie neue Wege der Gewinnung und Bindung.
Was diese Veranstaltung besonders gemacht hat, war nicht nur der fachliche Input, sondern der Austausch auf Augenhöhe – offen, praxisnah, lösungsorientiert.
Vor Ort: Wie Kommunen und Hochschule zusammenarbeiten können
Wie konkret diese Zusammenarbeit aussehen kann, zeigte sich in Rheine. Rund 26 Fachkräfte und Expert:innen aus der Region kamen am CBS-Campus zusammen, um über die Zukunft der Sozialen Arbeit zu diskutieren, eröffnet von Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann, ein starkes Signal für den Stellenwert Sozialer Arbeit vor Ort.
Im Zentrum standen drei Impulse: Prof. Dr. Christina Schwer sprach über Kita und Schule im Wandel und darüber, wie Teilhabe gewährleistet, Qualität gestärkt und Rechtsansprüche gesichert werden können. David Röwer und Katharina Smolin von der Stadt Rheine beleuchteten die Rolle und Funktion der Verfahrenslotsen im komplexen Hilfesystem. Und Leonie Osseforth sowie Paul Mäusling gaben als Studierende Einblicke in den Studiengang Soziale Arbeit und Pädagogik – vom Hörsaal in die Praxis und zurück.
Im abschließenden World Café wurde es konkret: Die Teilnehmenden diskutierten über Forderungen an die Politik, tauschten sich darüber aus, wie Nachwuchskräfte in der Region gehalten werden können, sammelten Ideen zum Ausbau der Netzwerkarbeit in Rheine und teilten Praxiserfahrungen zur Rolle der Verfahrenslotsen.
Der Blick nach vorn: Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit
Während es in Solingen und Rheine vor allem um strukturelle und kommunale Fragen ging, stand in Rostock ein Thema im Mittelpunkt, das die Soziale Arbeit zunehmend bewegt: Künstliche Intelligenz. Beim ersten „Sozial vernetzt" in Mecklenburg-Vorpommern war das Interesse groß. Rund 35 Fach- und Führungskräfte aus sozialen Einrichtungen und Trägern der Region kamen zusammen.
Mareike Donath, Leiterin der Stabsstelle Digitaler Wandel im Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern, eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort. Fachvorträge von Prof. Dr. Lea Puchert und Prof. Dr. Barbara Schnieders sowie dem externen Redner Reinhold Gravelmann (Dipl.-Pädagoge, Dipl.-Sozialpädagoge, Buchautor und Referent) gaben Einblicke in Chancen und Herausforderungen von KI in der Sozialen Arbeit, gefolgt von einer Podiumsdiskussion.
Im anschließenden World Café tauschten sich die Teilnehmenden aus den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, berufliche Bildung, Rehabilitation und psychosoziale Hilfen darüber aus, wie KI die Praxis verändern kann und wo klare Grenzen gezogen werden müssen. Das Feedback war durchweg positiv. Besonders der offene fachliche Austausch, die Vernetzungsmöglichkeiten und die praxisnahen Impulse wurden hervorgehoben, mit dem klaren Wunsch nach einer Fortsetzung des Formats mit noch größerer fachlicher Tiefe.
Was bleibt: Drei Standorte, ein gemeinsames Ziel
Ob Fachkräftemangel, kommunale Vernetzung oder Künstliche Intelligenz: Die drei Veranstaltungen in Solingen, Rheine und Rostock haben unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und doch dieselbe Botschaft vermittelt. Gute Soziale Arbeit braucht starke Netzwerke, in denen Praxis, Wissenschaft, Politik und Kommunen auf Augenhöhe zusammenarbeiten.
Für die CBS heißt das: Ein Studiengang wie Soziale Arbeit ist Teil der Infrastruktur unserer Gesellschaft. Deshalb setzt die Hochschule bewusst auf enge Zusammenarbeit mit sozialen Trägern, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und Organisationen der Eingliederungshilfe. Denn Soziale Arbeit entscheidet mit darüber, wie Teilhabe, Integration und soziale Stabilität in Zukunft gelingen.
„Sozial vernetzt" ist dabei kein einmaliges Format, sondern ein fortlaufendes Angebot: An allen drei Standorten ist die Resonanz so positiv, dass weitere Veranstaltungen folgen werden.
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