KI-Bot in der Prüfung: Soziale Arbeit neu gedacht

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06
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2026
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News
KI Bot in der Sozialen Arbeit

KI verändert nicht nur die Praxis der Sozialen Arbeit, sie verändert auch, wie wir Fachkräfte darauf vorbereiten. An der CBS wurde ein Prüfungsformat entwickelt, in dem Studierende Beratungsgespräche mit einem KI-Bot führen. Was klingt wie ein Experiment, zeigt ziemlich konkret, was gute Ausbildung heute leisten muss.

Digitalisierung ist in der Sozialen Arbeit längst kein Randthema mehr. KI-gestützte Bedarfsanalysen, digitale Beratungsformate, automatisierte Dokumentation – das Berufsfeld erweitert sich gerade grundlegend (vgl. LivingQuarter, 2025). Und damit stellt sich eine Frage, die Hochschulen nicht ignorieren können: Wenn sich die Praxis verändert, muss sich dann nicht auch die Ausbildung verändern?

Die Botprüfung: ein simuliertes Beratungsgespräch mit KI

An der CBS University of Applied Sciences haben wir uns das nicht nur gefragt, sondern ausprobiert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Barbara Schnieders, Studiengangsleitung SiA (General Management) und dem CBS Team BotPilot haben Prof. Dr. Lea Puchert, Studiengangsleiterin für Soziale Arbeit und Pädagogik, und ihr Team einen KI-Bot entwickelt, der in simulierten Beratungsgesprächen eine realistische Adressat:innen-Rolle übernimmt. Das Ergebnis: ein Prüfungsformat, in dem Studierende im Onlinechat ein professionelles Erstgespräch führen. Ihr Gegenüber ist dabei kein Mensch, sondern ein KI-Bot, der eine realistische Adressat:innen-Rolle einnimmt.

Wichtig dabei: Die Botprüfung steht nicht isoliert. Sie ist eingebettet in ein ganzes Bot-Ökosystem, das den Lernprozess begleitet. Studierende üben vorher mit einem BeratungsSimulator, der immer neue Fallkonstellationen und Gesprächsverläufe erzeugt, und erhalten anschließend differenziertes Feedback von einem MentorBot. Wenn sie in die eigentliche Prüfung gehen, haben sie das Format also bereits intensiv trainiert.

Die Studierenden agieren in ihrer professionellen Rolle als Berater:in. Sie müssen zuhören, einordnen, intervenieren – wie in einem echten Erstgespräch. Nur, dass ihr Gegenüber auf jede Antwort individuell reagiert. Kein Gespräch verläuft wie das andere. Die Anforderungsstruktur und der Kompetenzanspruch bleiben gleich, aber der Verlauf ist jedes Mal ein anderer. Standardisiert in der Struktur, individuell im Prozess.

Warum ausgerechnet ein Bot?

Die naheliegende Frage ist natürlich: Warum nicht einfach ein Rollenspiel mit echten Menschen?

Rollenspiele mit Kommiliton:innen oder Lehrpersonen haben einen festen Platz in der Ausbildung und behalten ihn. Die Botprüfung und die vorlaufende Übungssimulation bietet den Studierenden dagegen etwas, das in klassischen Prüfungen schwer abzubilden ist: echte Varianz bei gleichbleibender Fairness. Ein Szenariogenerator setzt jedes Gespräch aus dutzenden Variablen zusammen, von der Institution über die Affektlage der Adressat:innen bis hin zu Komplexitätsgrad und Familienstand. Jede:r Studierende bekommt eine vergleichbare Aufgabe, aber niemand kann sich auf einen auswendig gelernten Verlauf verlassen.

Mehr als ein Gespräch: Reflexion als zweiter Prüfungsteil

Die Prüfungsleistung endet nicht mit dem Chat. Im zweiten Teil reflektieren die Studierenden ihr eigenes Vorgehen wissenschaftlich fundiert. Sie analysieren, welche Methoden sie eingesetzt haben, wo sie an Grenzen gestoßen sind und wie sie ihr Handeln theoretisch einordnen.

Das ist der Moment, in dem auch die ethischen Fragen ganz praktisch werden: Wo hat der Bot realistisch reagiert, wo nicht? Was passiert, wenn eine KI Emotionen, Verständnis und Nähe simuliert und was bedeutet das für die professionelle Haltung? Studierende erleben so nicht nur, was KI kann, sondern spüren auch, wo ihre Grenzen liegen. Nicht als Theorie in einer Vorlesung, sondern als eigene Erfahrung.

Der Nebeneffekt: Durch den Reflexionsanteil üben Studierende nicht nur Beratungskompetenz, sondern entwickeln auch ihre reflexive Reflexivität weiter und denken dabei ganz selbstverständlich über KI-Nutzungspotenziale im Kontext Sozialer Arbeit nach. Genau die Kompetenz, die das Berufsfeld in Zukunft braucht.

Was die Studierenden sagen

Insgesamt haben über 100 Studierende mit dem System in mehr als 750 Sessions und über 17.000 Nachrichten gearbeitet. Aus einer Teilbefragung der ersten Kohorte (14 Studierende) wurde zusätzlich qualitatives Feedback erhoben. Eine kleine Stichprobe, keine repräsentative Studie, aber die Ergebnisse haben ermutigt. Rund 64 % der befragten Studierenden waren mit der Arbeit mit dem Bot zufrieden oder sehr zufrieden. Besonders positiv kam die Flexibilität an: Knapp 79 % fanden es hilfreich, selbst über Zeitpunkt und Ort der Prüfung entscheiden zu können. Und das begleitende Mentor-Feedback zur Vorbereitung wurde von über 70 % als hilfreich eingeschätzt.

Was besonders aufgefallen ist: Die Skepsis, die manche Studierende anfangs hatten („Kann ein Bot wirklich ein realistisches Gegenüber sein?") hat sich im Prozess oft aufgelöst. Nicht weil der Bot perfekt war, sondern weil die Auseinandersetzung mit seinen Stärken und Schwächen selbst zum Lernmoment wurde.

Auch die Lehrenden berichten von positiven Erfahrungen. Die Reflexionsleistungen der Studierenden fielen im Vergleich zu früheren Prüfungsformaten ohne vorbereitende Szenarien deutlich besser aus. Die Studierenden hätten die Übungsoptionen intensiv genutzt, sich aktiv Feedback vom Bot geholt und in der Verschriftlichung ihre Stärken und Schwächen differenziert reflektiert. Aus Lehrendensicht wirken die Antworten und Rückmeldungen des Bots hinreichend verlässlich für die Prüfungsvorbereitung. Ein zentrales Ziel, das das Format offenbar erreicht.

Dabei zeigt sich ein Effekt, der in der Debatte um KI in der Bildung oft untergeht: Der Bot ersetzt keine Lehrenden, er verschiebt ihre Rolle. Weil standardisierte Übungsszenarien und Erstfeedback vom System übernommen werden, entsteht Raum für das, was nur Menschen leisten können: individuelle Begleitung, vertiefte Reflexionsgespräche und gezielte Betreuung dort, wo sie den größten Unterschied macht. KI schafft hier keine Stellen ab, sondern Kapazitäten für mehr Qualität in der Lehre.

Was wir daraus mitnehmen

Die Botprüfung ist kein Ersatz für menschliche Begegnung in der Ausbildung, sie ist eine Ergänzung. Ein Format, das Dinge sichtbar macht, die in klassischen Prüfungssettings oft verborgen bleiben: Wie reagiere ich unter Unsicherheit? Wie gehe ich mit einem Gegenüber um, das mich überrascht? Und wie reflektiere ich mein professionelles Handeln, wenn das Gespräch nicht nach Lehrbuch verlaufen ist?

Dies ist ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung in der Ausbildung für Soziale Arbeit aussehen kann. Nämlich nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug, das Studierenden hilft, genau die Kompetenzen zu entwickeln, die sie in einer zunehmend digitalen Berufswelt brauchen.

Es ist ein erster Schritt. Sicher nicht der letzte. Dass das Konzept Potenzial hat, zeigt auch das Interesse von außen: Beim Hochschulforum Digitalisierung / Stifterverband wurde das Format bereits vorgestellt. Denn das Prinzip ist nicht auf Soziale Arbeit beschränkt. Überall dort, wo Studierende Fallarbeit leisten, beraten oder Gespräche führen, lässt es sich übertragen. Ob Pädagogik, Psychologie oder Gesundheitswesen: Die Botprüfung ist als Idee fächerunabhängig gedacht.

KI verändert nicht nur die Praxis der Sozialen Arbeit, sie verändert auch, wie wir Fachkräfte darauf vorbereiten. An der CBS wurde ein Prüfungsformat entwickelt, in dem Studierende Beratungsgespräche mit einem KI-Bot führen. Was klingt wie ein Experiment, zeigt ziemlich konkret, was gute Ausbildung heute leisten muss.

Digitalisierung ist in der Sozialen Arbeit längst kein Randthema mehr. KI-gestützte Bedarfsanalysen, digitale Beratungsformate, automatisierte Dokumentation – das Berufsfeld erweitert sich gerade grundlegend (vgl. LivingQuarter, 2025). Und damit stellt sich eine Frage, die Hochschulen nicht ignorieren können: Wenn sich die Praxis verändert, muss sich dann nicht auch die Ausbildung verändern?

Die Botprüfung: ein simuliertes Beratungsgespräch mit KI

An der CBS University of Applied Sciences haben wir uns das nicht nur gefragt, sondern ausprobiert. Gemeinsam mit Prof. Dr. Barbara Schnieders, Studiengangsleitung SiA (General Management) und dem CBS Team BotPilot haben Prof. Dr. Lea Puchert, Studiengangsleiterin für Soziale Arbeit und Pädagogik, und ihr Team einen KI-Bot entwickelt, der in simulierten Beratungsgesprächen eine realistische Adressat:innen-Rolle übernimmt. Das Ergebnis: ein Prüfungsformat, in dem Studierende im Onlinechat ein professionelles Erstgespräch führen. Ihr Gegenüber ist dabei kein Mensch, sondern ein KI-Bot, der eine realistische Adressat:innen-Rolle einnimmt.

Wichtig dabei: Die Botprüfung steht nicht isoliert. Sie ist eingebettet in ein ganzes Bot-Ökosystem, das den Lernprozess begleitet. Studierende üben vorher mit einem BeratungsSimulator, der immer neue Fallkonstellationen und Gesprächsverläufe erzeugt, und erhalten anschließend differenziertes Feedback von einem MentorBot. Wenn sie in die eigentliche Prüfung gehen, haben sie das Format also bereits intensiv trainiert.

Die Studierenden agieren in ihrer professionellen Rolle als Berater:in. Sie müssen zuhören, einordnen, intervenieren – wie in einem echten Erstgespräch. Nur, dass ihr Gegenüber auf jede Antwort individuell reagiert. Kein Gespräch verläuft wie das andere. Die Anforderungsstruktur und der Kompetenzanspruch bleiben gleich, aber der Verlauf ist jedes Mal ein anderer. Standardisiert in der Struktur, individuell im Prozess.

Warum ausgerechnet ein Bot?

Die naheliegende Frage ist natürlich: Warum nicht einfach ein Rollenspiel mit echten Menschen?

Rollenspiele mit Kommiliton:innen oder Lehrpersonen haben einen festen Platz in der Ausbildung und behalten ihn. Die Botprüfung und die vorlaufende Übungssimulation bietet den Studierenden dagegen etwas, das in klassischen Prüfungen schwer abzubilden ist: echte Varianz bei gleichbleibender Fairness. Ein Szenariogenerator setzt jedes Gespräch aus dutzenden Variablen zusammen, von der Institution über die Affektlage der Adressat:innen bis hin zu Komplexitätsgrad und Familienstand. Jede:r Studierende bekommt eine vergleichbare Aufgabe, aber niemand kann sich auf einen auswendig gelernten Verlauf verlassen.

Mehr als ein Gespräch: Reflexion als zweiter Prüfungsteil

Die Prüfungsleistung endet nicht mit dem Chat. Im zweiten Teil reflektieren die Studierenden ihr eigenes Vorgehen wissenschaftlich fundiert. Sie analysieren, welche Methoden sie eingesetzt haben, wo sie an Grenzen gestoßen sind und wie sie ihr Handeln theoretisch einordnen.

Das ist der Moment, in dem auch die ethischen Fragen ganz praktisch werden: Wo hat der Bot realistisch reagiert, wo nicht? Was passiert, wenn eine KI Emotionen, Verständnis und Nähe simuliert und was bedeutet das für die professionelle Haltung? Studierende erleben so nicht nur, was KI kann, sondern spüren auch, wo ihre Grenzen liegen. Nicht als Theorie in einer Vorlesung, sondern als eigene Erfahrung.

Der Nebeneffekt: Durch den Reflexionsanteil üben Studierende nicht nur Beratungskompetenz, sondern entwickeln auch ihre reflexive Reflexivität weiter und denken dabei ganz selbstverständlich über KI-Nutzungspotenziale im Kontext Sozialer Arbeit nach. Genau die Kompetenz, die das Berufsfeld in Zukunft braucht.

Was die Studierenden sagen

Insgesamt haben über 100 Studierende mit dem System in mehr als 750 Sessions und über 17.000 Nachrichten gearbeitet. Aus einer Teilbefragung der ersten Kohorte (14 Studierende) wurde zusätzlich qualitatives Feedback erhoben. Eine kleine Stichprobe, keine repräsentative Studie, aber die Ergebnisse haben ermutigt. Rund 64 % der befragten Studierenden waren mit der Arbeit mit dem Bot zufrieden oder sehr zufrieden. Besonders positiv kam die Flexibilität an: Knapp 79 % fanden es hilfreich, selbst über Zeitpunkt und Ort der Prüfung entscheiden zu können. Und das begleitende Mentor-Feedback zur Vorbereitung wurde von über 70 % als hilfreich eingeschätzt.

Was besonders aufgefallen ist: Die Skepsis, die manche Studierende anfangs hatten („Kann ein Bot wirklich ein realistisches Gegenüber sein?") hat sich im Prozess oft aufgelöst. Nicht weil der Bot perfekt war, sondern weil die Auseinandersetzung mit seinen Stärken und Schwächen selbst zum Lernmoment wurde.

Auch die Lehrenden berichten von positiven Erfahrungen. Die Reflexionsleistungen der Studierenden fielen im Vergleich zu früheren Prüfungsformaten ohne vorbereitende Szenarien deutlich besser aus. Die Studierenden hätten die Übungsoptionen intensiv genutzt, sich aktiv Feedback vom Bot geholt und in der Verschriftlichung ihre Stärken und Schwächen differenziert reflektiert. Aus Lehrendensicht wirken die Antworten und Rückmeldungen des Bots hinreichend verlässlich für die Prüfungsvorbereitung. Ein zentrales Ziel, das das Format offenbar erreicht.

Dabei zeigt sich ein Effekt, der in der Debatte um KI in der Bildung oft untergeht: Der Bot ersetzt keine Lehrenden, er verschiebt ihre Rolle. Weil standardisierte Übungsszenarien und Erstfeedback vom System übernommen werden, entsteht Raum für das, was nur Menschen leisten können: individuelle Begleitung, vertiefte Reflexionsgespräche und gezielte Betreuung dort, wo sie den größten Unterschied macht. KI schafft hier keine Stellen ab, sondern Kapazitäten für mehr Qualität in der Lehre.

Was wir daraus mitnehmen

Die Botprüfung ist kein Ersatz für menschliche Begegnung in der Ausbildung, sie ist eine Ergänzung. Ein Format, das Dinge sichtbar macht, die in klassischen Prüfungssettings oft verborgen bleiben: Wie reagiere ich unter Unsicherheit? Wie gehe ich mit einem Gegenüber um, das mich überrascht? Und wie reflektiere ich mein professionelles Handeln, wenn das Gespräch nicht nach Lehrbuch verlaufen ist?

Dies ist ein Beispiel dafür, wie Digitalisierung in der Ausbildung für Soziale Arbeit aussehen kann. Nämlich nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug, das Studierenden hilft, genau die Kompetenzen zu entwickeln, die sie in einer zunehmend digitalen Berufswelt brauchen.

Es ist ein erster Schritt. Sicher nicht der letzte. Dass das Konzept Potenzial hat, zeigt auch das Interesse von außen: Beim Hochschulforum Digitalisierung / Stifterverband wurde das Format bereits vorgestellt. Denn das Prinzip ist nicht auf Soziale Arbeit beschränkt. Überall dort, wo Studierende Fallarbeit leisten, beraten oder Gespräche führen, lässt es sich übertragen. Ob Pädagogik, Psychologie oder Gesundheitswesen: Die Botprüfung ist als Idee fächerunabhängig gedacht.

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