
Mangelernährung im Krankenhaus ist kein Randthema. Es ist ein unterschätztes, flächendeckendes Problem. Bereits 2006 zeigte die „German Hospital Malnutrition Study" erschreckende Zahlen: Ein erheblicher Teil der stationären Patientinnen und Patienten in deutschen Kliniken ist mangelernährt, mit gravierenden Folgen: verzögerte Genesung, längere Liegezeiten, ein geschwächtes Immunsystem und höhere Komplikationsraten. Trotzdem blieb systematisches Handeln auf politischer Ebene lange aus.
Das ändert sich jetzt.
Was das KHA-Gesetz regelt
Mit dem neuen Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) wird erstmals ein verpflichtendes Screening auf Mangelernährung in deutschen Krankenhäusern gesetzlich verankert. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wurde damit beauftragt, verbindliche Qualitätsvorgaben zu entwickeln, fachlich begleitet von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM).
Die Frist: Ende 2027.
Das ist mehr als eine bürokratische Neuregelung. Es ist ein struktureller Wandel, auf den die Ernährungsmedizin seit Jahrzehnten gewartet hat.
Screening ist erst der Anfang
Ein Screening identifiziert Risikopatientinnen und-patienten, aber es behandelt sie nicht. Was folgt, ist entscheidend: ein fundiertes Assessment zur Diagnosestellung sowie eine individuell abgestimmte Ernährungstherapie. Beide Schritte setzen geschultes Fachpersonal voraus, das die entsprechenden Kompetenzen mitbringt.
Genau das ist der Punkt, an dem die neue Regelung ihre volle Wirkung entfaltet. Kliniken werden nicht umhinkommen, Ernährungstherapie strukturell zu verankern und dafür qualifizierte Fachkräfte einzustellen. Neue Stellen werden entstehen müssen, und der Bedarf wird erheblich sein.
Was das für Angewandte Ernährungswissenschaft bedeutet
„Nachdem schon 2006 in der ‚German Hospital Malnutrition Study' die erschreckenden Zahlen von Mangelernährung in deutschen Kliniken und die entsprechenden negativen Folgen für Patientinnen und Patienten dargestellt wurden, gehen wir endlich den Schritt in die richtige Richtung", erklärt Prof. Dr. Cordula Siegmann-Thoss, Studiengangsleiterin für Angewandte Ernährungswissenschaft an der CBS. „Dies ist ein Meilenstein in der Ernährungsmedizin."
Für Studierende des CBS Studiengangs Angewandte Ernährungswissenschaft (AEW) eröffnet die gesetzliche Neuregelung konkrete berufliche Perspektiven. Screening, Assessment und Ernährungstherapie, das sind genau die Kompetenzen, die im Studiengang vermittelt werden und die Kliniken künftig verbindlich vorhalten müssen.
Ein Berufsfeld mit Zukunft
Das KHAG ist ein Signal, das weit über die Gesundheitspolitik hinausgeht. Es zeigt: Ernährungsmedizin wird als systemrelevant anerkannt. Für die Kliniken bedeutet das Umstrukturierung und Investition. Wie das in der Praxis aussieht, beschreibt Dr. Sarah Breker, Ernährungsmedizinerin, Notfallmedizinerin und Funktionsoberärztin der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie am Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz:
„Wir machen am Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz seit Jahren sehr positive Erfahrungen mit Studierenden und Absolventinnen des Studienganges ‚Angewandte Ernährungswissenschaften' und sie sind eine Bereicherung für unser Ernährungsteam. Unsere Klinik für Innere Medizin konnte im letzten Jahr als NutriZert zertifizierte ‚Ernährungsmedizinische Schwerpunktabteilung' das Ernährungsteam weiter professionalisieren und ein Screening und Assessment Mangelernährung mit allen notwendigen Strukturen etablieren. Die Studierenden sind ein fester Bestandteil dessen.
Glücklicherweise wurde im März 2026 im Rahmen des Krankenhausreformationsgesetzes ein verpflichtendes Screening auf Mangelernährung beschlossen. Unsere Erfahrungen und Statistiken der letzten 1,5 Jahre spiegeln die internationale Datenlage zum Thema Mangelernährung wider. Wir konnten beobachten, welch positive Effekte die frühzeitige Erfassung des Ernährungszustandes mit Einleitung entsprechender ernährungstherapeutischer Maßnahmen auf das Patientenwohl hat. Es ist unerlässlich, qualifizierte Ernährungstherapeuten für den stationären und ambulanten Rahmen auszubilden, um diesen Anforderungen gerecht zu werden."
Für Fachkräfte bedeutet das Nachfrage, Anerkennung und langfristige berufliche Sicherheit. Wer heute Angewandte Ernährungswissenschaft studiert, bereitet sich auf ein Berufsfeld vor, das gerade dabei ist, sich fundamental zu verändern. Zum Besseren, für Patientinnen und Patienten und für das Gesundheitssystem insgesamt.
Ernährungsmedizin als Zukunftsberuf
Lerne im Studium Angewandte Ernährungswissenschaft, wie Screening, Assessment und Ernährungstherapie in der Praxis funktionieren und starte direkt in ein Berufsfeld mit wachsendem Bedarf.





