KV Nordrhein: Warum Physician Assistants für Praxen jetzt noch attraktiver werden

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2026
10
Min. Lesezeit
Kategorie |
Beruf
Zwei Physician Assistants besprechen Behandlungsunterlagen mit einem Arzt in der Praxis

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 1. Juli 2026 hebt die KV Nordrhein bei Physician Assistants in Vollzeit die Zeitobergrenze der Plausibilitätsprüfung auf 150 Prozent des regulären Werts an
  • Bei Teilzeitbeschäftigung gilt der Aufschlag anteilig, die Meldung bei der KV Nordrhein erfolgt freiwillig per Formular
  • Auch die KV Niedersachsen fördert den PA-Einsatz, mit einem Aufschlag von 30 Prozent in zunächst 70 ländlichen Hausarztpraxen
  • Physician Assistants übernehmen delegierbare ärztliche Aufgaben, ersetzen aber keine Ärztinnen oder Ärzte
  • Medizinische Fachangestellte können sich dual zum Physician Assistant weiterqualifizieren, etwa über den Bachelorstudiengang der CBS
  • Praxen profitieren doppelt: mehr Planungssicherheit bei der Abrechnung und langfristige Bindung eingearbeiteter Mitarbeitender

Seit dem 1. Juli 2026 zählt die Arbeitszeit von Physician Assistants (PA) in Praxen der KV Nordrhein spürbar mehr: Wer einen PA beschäftigt, profitiert von einer deutlich höheren Zeitobergrenze bei der Plausibilitätsprüfung und damit von weniger Risiko für aufwendige Nachprüfungen. Für Haus- und Facharztpraxen im gesamten KV-Bereich ist das mehr als eine verwaltungstechnische Randnotiz.

Es ist ein klares Signal: Der Einsatz von Physician Assistants wird nicht nur im Praxisalltag geschätzt, sondern jetzt auch systemisch honoriert. Gerade weil der Versorgungsdruck in Praxen weiter steigt und gleichzeitig der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen spürbarer wird, gewinnt diese Neuregelung an Bedeutung, sowohl für Praxen, die bereits mit PA arbeiten, als auch für jene, die den Einstieg gerade erst prüfen.

Was sich konkret ändert, warum die KV Nordrhein diesen Schritt geht und wie Praxen eigene Mitarbeitende gezielt zu Physician Assistants weiterqualifizieren können, zeigt dieser Beitrag.

Was hat sich bei der KV Nordrhein für Physician Assistants konkret geändert?

Beschäftigt eine Praxis einen Physician Assistant in Vollzeit, hebt die KV Nordrhein die zulässige Zeitobergrenze bei der Plausibilitätsprüfung auf 150 Prozent des regulären Werts an. Bei Teilzeit gilt der Aufschlag anteilig. Praxen melden die Beschäftigung freiwillig vorab, danach berücksichtigt die KV Nordrhein den PA automatisch in der Zeitprüfung.

Die Regelung greift seit dem 1. Juli 2026 und richtet sich an alle Haus- und Facharztpraxen im KV-Bereich Nordrhein, wie die KV Nordrhein in ihrer offiziellen Pressemeldung mitteilt. Grundlage der Plausibilitätsprüfung sind sogenannte Zeitprofile: Für jede abrechenbare Leistung ist im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) eine Prüfzeit hinterlegt. Passen die abgerechneten Zeiten nicht zu diesen Profilen, folgt eine Nachprüfung, ein Aufwand, den viele Praxen bislang scheuten.

Für die Meldung reicht ein einfaches Formular mit den persönlichen Daten der oder des PA, Beschäftigungsbeginn und -umfang sowie einer Kopie des Qualifizierungsnachweises. Endet die Beschäftigung, muss die Praxis dies der KV Nordrhein unverzüglich mitteilen.

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Warum führt die KV Nordrhein diese Neuregelung ein?

Bislang bewegte sich die Arbeitszeit von Physician Assistants im System der Plausibilitätsprüfung praktisch im Verborgenen, obwohl PA im Alltag reale ärztliche Aufgaben übernehmen: Anamnesen vorbereiten, Patient:innen begleiten, bei Eingriffen assistieren. Das kostete Zeit, die formal nicht abgebildet wurde und Praxen im ungünstigsten Fall in eine unangenehme Prüfsituation brachte.

Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, bringt den Zweck der Neuregelung auf den Punkt: Physician Assistants seien "ein zentraler Baustein" für die künftige ambulante Versorgung in Nordrhein. Hintergrund ist auch der wachsende Versorgungsdruck: Allein in Nordrhein steigt die Zahl der Behandlungsfälle nach Angaben der KV Nordrhein jedes Jahr um rund 500.000. Physician Assistants sollen genau hier ansetzen und Ärztinnen und Ärzten mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung verschaffen.

Gleichzeitig macht die KV Nordrhein deutlich, dass noch nicht alle Rahmenbedingungen für den PA-Einsatz geklärt sind. Offene Punkte sind unter anderem eine leistungsgerechte Vergütung, mehr Rechtssicherheit bei der Delegation ärztlicher Aufgaben und ein bundesweit einheitliches Berufsgesetz. Die angepasste Zeitobergrenze bei der Plausibilitätsprüfung ist damit ein erster, aber wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Wie reagieren andere Kassenärztliche Vereinigungen? Das Beispiel Niedersachsen

Nordrhein ist nicht die einzige KV, die den PA-Einsatz honoriert. Die KV Niedersachsen hat gemeinsam mit den Krankenkassenverbänden ein eigenes Modell aufgesetzt: Die Zeitprofilgrenze steigt hier um 30 Prozent, allerdings zunächst befristet auf 70 geförderte hausärztliche Praxen in ländlichen Planungsbereichen mit einem Versorgungsgrad von höchstens 80 Prozent.

Auch die CBS ist an dieser Entwicklung beteiligt: Seit Oktober 2025 bietet die CBS in Zeven, unterstützt von der KV Niedersachsen und dem Land Niedersachsen, einen hybriden Studiengang für Physician Assistants an. Beide Modelle, das der KV Nordrhein und das der KV Niedersachsen, zeigen dieselbe Richtung: Die Arbeitszeit von Physician Assistants wird zunehmend als abrechnungsrelevante Versorgungsleistung anerkannt.

Merkmal KV Nordrhein KV Niedersachsen
Aufschlag auf Zeitobergrenze 50 Prozent (150 % des regulären Werts) 30 Prozent
Geltungsbereich Alle Haus- und Facharztpraxen 70 geförderte, ländliche Hausarztpraxen
Start 1. Juli 2026 Seit 20. Juni 2025

Welche Aufgaben übernehmen Physician Assistants in der Praxis?

Physician Assistants übernehmen delegierbare ärztliche Tätigkeiten wie vorbereitende Anamnesen, körperliche Untersuchungen, funktionsdiagnostische Maßnahmen und die Assistenz bei Eingriffen. Sie ersetzen dabei keine Ärztin und keinen Arzt: Die medizinische Verantwortung bleibt immer bei der behandelnden Praxis.

Laut dem Positionspapier der Bundesärztekammer aus dem Mai 2025 gilt Physician Assistance mittlerweile als etabliertes Berufsbild im deutschen Gesundheitswesen mit klar umrissenem Aufgabenprofil. Dazu zählen unter anderem die Begleitung von Patient:innen, die Mitwirkung bei der Umsetzung von Behandlungsplänen sowie organisatorische Aufgaben im Praxisalltag.

Dieser klar abgegrenzte Zuständigkeitsbereich ist einer der Gründe, warum immer mehr Praxen auf PA setzen: Ärztinnen und Ärzte gewinnen dadurch spürbar mehr Zeit für komplexe und schwer erkrankte Patient:innen, während das Praxisteam insgesamt strukturierter arbeitet. Mehr zu den genauen Tätigkeitsfeldern und der Abgrenzung zum ärztlichen Beruf lesen Sie in unserem Beitrag was ein Physician Assistant genau leistet.

Wie groß ist der Bedarf an Physician Assistants in Deutschland?

Der Anteil ambulant tätiger Physician Assistants ist von 11 Prozent im Jahr 2021 auf 25 Prozent im Jahr 2026 gestiegen. Gleichzeitig wächst die Zahl der PA-Studierenden bundesweit auf einen neuen Höchststand, Prognosen gehen von mehr als 30.000 Physician Assistants bis zum Jahr 2030 aus.

Nach Angaben von Daria Hunfeld, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants, im Interview mit der Ärztekammer Nordrhein hat sich der ambulante Anteil der PA in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Dass die ambulante Versorgung trotzdem noch unterrepräsentiert ist, liegt weniger an fehlendem Potenzial als an offenen Finanzierungs- und Rechtsfragen, genau hier setzt die Neuregelung der KV Nordrhein an.

Auch die Studierendenzahlen bestätigen den Trend: 2025 waren laut aktuellen Auswertungen bundesweit 5.482 Personen in einem PA-Bachelorstudiengang eingeschrieben, ein neuer Höchststand. Insgesamt haben mittlerweile 3.087 Absolvent:innen ihr PA-Studium in Deutschland abgeschlossen. Für Praxen bedeutet dieser Trend vor allem eines: Der Wettbewerb um fertig ausgebildete Physician Assistants auf dem freien Arbeitsmarkt wird enger, wer frühzeitig eigene Mitarbeitende weiterqualifiziert, sichert sich einen klaren Vorsprung.

Eigene MFA zu Physician Assistants weiterqualifizieren: der naheliegende Weg

Für viele Praxen stellt sich nun die Frage: Woher kommen qualifizierte Physician Assistants? Die naheliegendste Antwort liegt oft im eigenen Team. Medizinische Fachangestellte können sich dual zum Physician Assistant weiterqualifizieren, ohne die Praxis dafür verlassen zu müssen.

Genau hier setzt die CBS University of Applied Sciences mit ihrem dualen Bachelorstudiengang Physician Assistance (B.Sc.) an. Studierende bleiben während des gesamten Studiums mit bis zu 30 Stunden pro Woche in ihrer Praxis oder Klinik eingebunden, sammeln praktische Erfahrung und bringen neu erworbenes Wissen direkt in den Berufsalltag ein. Die Lehrveranstaltungen sind dabei so getaktet, dass Praxisbetrieb und Studium sich nicht gegenseitig ausbremsen, ein Modell, das speziell für berufstätige Fachkräfte im Gesundheitswesen entwickelt wurde.

Viele Arbeitgeber unterstützen diesen Weg aktiv, zum Beispiel über eine Arbeitgeberförderung, bei der Praxen die Studiengebühren ganz oder teilweise übernehmen. Für Praxen bedeutet das einen doppelten Gewinn: Sie binden engagierte Mitarbeitende langfristig und bauen gleichzeitig genau die Kompetenz auf, die durch die neue KVNO-Regelung nun auch wirtschaftlich attraktiver wird.

Lohnt sich der PA-Einsatz für Ihre Praxis?

Ja, für die meisten Haus- und Facharztpraxen lohnt sich der PA-Einsatz gleich mehrfach: mehr Planungssicherheit bei der Plausibilitätsprüfung, spürbare Entlastung im Praxisalltag und eine zukunftsfähige Teamstruktur, die gerade in Regionen mit Fachkräftemangel den Unterschied macht.

Ob Neueinstellung oder Weiterqualifizierung aus dem eigenen Team: Die aktuelle Regelung macht beide Wege attraktiver als je zuvor.

Fazit

Die neue Plausibilitätsprüfungs-Regelung der KV Nordrhein ist mehr als ein verwaltungstechnisches Detail: Sie zeigt, dass der Einsatz von Physician Assistants nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern jetzt auch systemisch anerkannt wird. Zusammen mit vergleichbaren Modellen wie dem der KV Niedersachsen wird deutlich, wohin sich die ambulante Versorgung in Deutschland entwickelt.

Für Praxen, die überlegen, ob sich die Ausbildung oder Weiterqualifizierung eines PA lohnt, ist das ein weiteres starkes Argument, neben der spürbaren Entlastung im Alltag und der besseren Patient:innenversorgung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 1. Juli 2026 hebt die KV Nordrhein bei Physician Assistants in Vollzeit die Zeitobergrenze der Plausibilitätsprüfung auf 150 Prozent des regulären Werts an
  • Bei Teilzeitbeschäftigung gilt der Aufschlag anteilig, die Meldung bei der KV Nordrhein erfolgt freiwillig per Formular
  • Auch die KV Niedersachsen fördert den PA-Einsatz, mit einem Aufschlag von 30 Prozent in zunächst 70 ländlichen Hausarztpraxen
  • Physician Assistants übernehmen delegierbare ärztliche Aufgaben, ersetzen aber keine Ärztinnen oder Ärzte
  • Medizinische Fachangestellte können sich dual zum Physician Assistant weiterqualifizieren, etwa über den Bachelorstudiengang der CBS
  • Praxen profitieren doppelt: mehr Planungssicherheit bei der Abrechnung und langfristige Bindung eingearbeiteter Mitarbeitender

Seit dem 1. Juli 2026 zählt die Arbeitszeit von Physician Assistants (PA) in Praxen der KV Nordrhein spürbar mehr: Wer einen PA beschäftigt, profitiert von einer deutlich höheren Zeitobergrenze bei der Plausibilitätsprüfung und damit von weniger Risiko für aufwendige Nachprüfungen. Für Haus- und Facharztpraxen im gesamten KV-Bereich ist das mehr als eine verwaltungstechnische Randnotiz.

Es ist ein klares Signal: Der Einsatz von Physician Assistants wird nicht nur im Praxisalltag geschätzt, sondern jetzt auch systemisch honoriert. Gerade weil der Versorgungsdruck in Praxen weiter steigt und gleichzeitig der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen spürbarer wird, gewinnt diese Neuregelung an Bedeutung, sowohl für Praxen, die bereits mit PA arbeiten, als auch für jene, die den Einstieg gerade erst prüfen.

Was sich konkret ändert, warum die KV Nordrhein diesen Schritt geht und wie Praxen eigene Mitarbeitende gezielt zu Physician Assistants weiterqualifizieren können, zeigt dieser Beitrag.

Was hat sich bei der KV Nordrhein für Physician Assistants konkret geändert?

Beschäftigt eine Praxis einen Physician Assistant in Vollzeit, hebt die KV Nordrhein die zulässige Zeitobergrenze bei der Plausibilitätsprüfung auf 150 Prozent des regulären Werts an. Bei Teilzeit gilt der Aufschlag anteilig. Praxen melden die Beschäftigung freiwillig vorab, danach berücksichtigt die KV Nordrhein den PA automatisch in der Zeitprüfung.

Die Regelung greift seit dem 1. Juli 2026 und richtet sich an alle Haus- und Facharztpraxen im KV-Bereich Nordrhein, wie die KV Nordrhein in ihrer offiziellen Pressemeldung mitteilt. Grundlage der Plausibilitätsprüfung sind sogenannte Zeitprofile: Für jede abrechenbare Leistung ist im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) eine Prüfzeit hinterlegt. Passen die abgerechneten Zeiten nicht zu diesen Profilen, folgt eine Nachprüfung, ein Aufwand, den viele Praxen bislang scheuten.

Für die Meldung reicht ein einfaches Formular mit den persönlichen Daten der oder des PA, Beschäftigungsbeginn und -umfang sowie einer Kopie des Qualifizierungsnachweises. Endet die Beschäftigung, muss die Praxis dies der KV Nordrhein unverzüglich mitteilen.

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Warum führt die KV Nordrhein diese Neuregelung ein?

Bislang bewegte sich die Arbeitszeit von Physician Assistants im System der Plausibilitätsprüfung praktisch im Verborgenen, obwohl PA im Alltag reale ärztliche Aufgaben übernehmen: Anamnesen vorbereiten, Patient:innen begleiten, bei Eingriffen assistieren. Das kostete Zeit, die formal nicht abgebildet wurde und Praxen im ungünstigsten Fall in eine unangenehme Prüfsituation brachte.

Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, bringt den Zweck der Neuregelung auf den Punkt: Physician Assistants seien "ein zentraler Baustein" für die künftige ambulante Versorgung in Nordrhein. Hintergrund ist auch der wachsende Versorgungsdruck: Allein in Nordrhein steigt die Zahl der Behandlungsfälle nach Angaben der KV Nordrhein jedes Jahr um rund 500.000. Physician Assistants sollen genau hier ansetzen und Ärztinnen und Ärzten mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung verschaffen.

Gleichzeitig macht die KV Nordrhein deutlich, dass noch nicht alle Rahmenbedingungen für den PA-Einsatz geklärt sind. Offene Punkte sind unter anderem eine leistungsgerechte Vergütung, mehr Rechtssicherheit bei der Delegation ärztlicher Aufgaben und ein bundesweit einheitliches Berufsgesetz. Die angepasste Zeitobergrenze bei der Plausibilitätsprüfung ist damit ein erster, aber wichtiger Schritt auf diesem Weg.

Wie reagieren andere Kassenärztliche Vereinigungen? Das Beispiel Niedersachsen

Nordrhein ist nicht die einzige KV, die den PA-Einsatz honoriert. Die KV Niedersachsen hat gemeinsam mit den Krankenkassenverbänden ein eigenes Modell aufgesetzt: Die Zeitprofilgrenze steigt hier um 30 Prozent, allerdings zunächst befristet auf 70 geförderte hausärztliche Praxen in ländlichen Planungsbereichen mit einem Versorgungsgrad von höchstens 80 Prozent.

Auch die CBS ist an dieser Entwicklung beteiligt: Seit Oktober 2025 bietet die CBS in Zeven, unterstützt von der KV Niedersachsen und dem Land Niedersachsen, einen hybriden Studiengang für Physician Assistants an. Beide Modelle, das der KV Nordrhein und das der KV Niedersachsen, zeigen dieselbe Richtung: Die Arbeitszeit von Physician Assistants wird zunehmend als abrechnungsrelevante Versorgungsleistung anerkannt.

Merkmal KV Nordrhein KV Niedersachsen
Aufschlag auf Zeitobergrenze 50 Prozent (150 % des regulären Werts) 30 Prozent
Geltungsbereich Alle Haus- und Facharztpraxen 70 geförderte, ländliche Hausarztpraxen
Start 1. Juli 2026 Seit 20. Juni 2025

Welche Aufgaben übernehmen Physician Assistants in der Praxis?

Physician Assistants übernehmen delegierbare ärztliche Tätigkeiten wie vorbereitende Anamnesen, körperliche Untersuchungen, funktionsdiagnostische Maßnahmen und die Assistenz bei Eingriffen. Sie ersetzen dabei keine Ärztin und keinen Arzt: Die medizinische Verantwortung bleibt immer bei der behandelnden Praxis.

Laut dem Positionspapier der Bundesärztekammer aus dem Mai 2025 gilt Physician Assistance mittlerweile als etabliertes Berufsbild im deutschen Gesundheitswesen mit klar umrissenem Aufgabenprofil. Dazu zählen unter anderem die Begleitung von Patient:innen, die Mitwirkung bei der Umsetzung von Behandlungsplänen sowie organisatorische Aufgaben im Praxisalltag.

Dieser klar abgegrenzte Zuständigkeitsbereich ist einer der Gründe, warum immer mehr Praxen auf PA setzen: Ärztinnen und Ärzte gewinnen dadurch spürbar mehr Zeit für komplexe und schwer erkrankte Patient:innen, während das Praxisteam insgesamt strukturierter arbeitet. Mehr zu den genauen Tätigkeitsfeldern und der Abgrenzung zum ärztlichen Beruf lesen Sie in unserem Beitrag was ein Physician Assistant genau leistet.

Wie groß ist der Bedarf an Physician Assistants in Deutschland?

Der Anteil ambulant tätiger Physician Assistants ist von 11 Prozent im Jahr 2021 auf 25 Prozent im Jahr 2026 gestiegen. Gleichzeitig wächst die Zahl der PA-Studierenden bundesweit auf einen neuen Höchststand, Prognosen gehen von mehr als 30.000 Physician Assistants bis zum Jahr 2030 aus.

Nach Angaben von Daria Hunfeld, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants, im Interview mit der Ärztekammer Nordrhein hat sich der ambulante Anteil der PA in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Dass die ambulante Versorgung trotzdem noch unterrepräsentiert ist, liegt weniger an fehlendem Potenzial als an offenen Finanzierungs- und Rechtsfragen, genau hier setzt die Neuregelung der KV Nordrhein an.

Auch die Studierendenzahlen bestätigen den Trend: 2025 waren laut aktuellen Auswertungen bundesweit 5.482 Personen in einem PA-Bachelorstudiengang eingeschrieben, ein neuer Höchststand. Insgesamt haben mittlerweile 3.087 Absolvent:innen ihr PA-Studium in Deutschland abgeschlossen. Für Praxen bedeutet dieser Trend vor allem eines: Der Wettbewerb um fertig ausgebildete Physician Assistants auf dem freien Arbeitsmarkt wird enger, wer frühzeitig eigene Mitarbeitende weiterqualifiziert, sichert sich einen klaren Vorsprung.

Eigene MFA zu Physician Assistants weiterqualifizieren: der naheliegende Weg

Für viele Praxen stellt sich nun die Frage: Woher kommen qualifizierte Physician Assistants? Die naheliegendste Antwort liegt oft im eigenen Team. Medizinische Fachangestellte können sich dual zum Physician Assistant weiterqualifizieren, ohne die Praxis dafür verlassen zu müssen.

Genau hier setzt die CBS University of Applied Sciences mit ihrem dualen Bachelorstudiengang Physician Assistance (B.Sc.) an. Studierende bleiben während des gesamten Studiums mit bis zu 30 Stunden pro Woche in ihrer Praxis oder Klinik eingebunden, sammeln praktische Erfahrung und bringen neu erworbenes Wissen direkt in den Berufsalltag ein. Die Lehrveranstaltungen sind dabei so getaktet, dass Praxisbetrieb und Studium sich nicht gegenseitig ausbremsen, ein Modell, das speziell für berufstätige Fachkräfte im Gesundheitswesen entwickelt wurde.

Viele Arbeitgeber unterstützen diesen Weg aktiv, zum Beispiel über eine Arbeitgeberförderung, bei der Praxen die Studiengebühren ganz oder teilweise übernehmen. Für Praxen bedeutet das einen doppelten Gewinn: Sie binden engagierte Mitarbeitende langfristig und bauen gleichzeitig genau die Kompetenz auf, die durch die neue KVNO-Regelung nun auch wirtschaftlich attraktiver wird.

Lohnt sich der PA-Einsatz für Ihre Praxis?

Ja, für die meisten Haus- und Facharztpraxen lohnt sich der PA-Einsatz gleich mehrfach: mehr Planungssicherheit bei der Plausibilitätsprüfung, spürbare Entlastung im Praxisalltag und eine zukunftsfähige Teamstruktur, die gerade in Regionen mit Fachkräftemangel den Unterschied macht.

Ob Neueinstellung oder Weiterqualifizierung aus dem eigenen Team: Die aktuelle Regelung macht beide Wege attraktiver als je zuvor.

Fazit

Die neue Plausibilitätsprüfungs-Regelung der KV Nordrhein ist mehr als ein verwaltungstechnisches Detail: Sie zeigt, dass der Einsatz von Physician Assistants nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern jetzt auch systemisch anerkannt wird. Zusammen mit vergleichbaren Modellen wie dem der KV Niedersachsen wird deutlich, wohin sich die ambulante Versorgung in Deutschland entwickelt.

Für Praxen, die überlegen, ob sich die Ausbildung oder Weiterqualifizierung eines PA lohnt, ist das ein weiteres starkes Argument, neben der spürbaren Entlastung im Alltag und der besseren Patient:innenversorgung.

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