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CBS International Business School, 16 Juni 2020

Dr. Anouschka Strang im Experten-Interview

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Den Mutigen gehört die (Unternehmens-)Welt: Unsere Gastreferentin Dr. Anouschka Strang weiß aus eigener Erfahrung, dass sich der Schritt in die Selbstständigkeit – auch in diesen besonderen Zeiten – lohnen kann. Im Jahr 2010 gab sie ihre unbefristete Vollzeit-Anstellung im Gesundheitsbereich auf und gründete ihr Unternehmen Promotion + Erfolg in Bonn. Ihr Antrieb? „Ich wollte damals unbedingt testen, ob meine Ideen ankommen. Im „schlimmsten Fall“ hätte ich mich ja auch wieder auf einen Angestelltenjob bewerben können. Eine Katastrophe wäre das nicht gewesen”, so Dr. Anouschka Strang. Vor ihren nächsten Webinaren für den hochschulgründernetz cologne e. V. haben wir mit der „Freiberufsentdeckerin“ über Unternehmertum und Freiberuflichkeit gesprochen.

CBS: Inwiefern sind GründerInnen und FreiberuflerInnen von der Corona-Krise besonders betroffen?

Dr. Anouschka Strang: Gerade Freiberuflerinnen und Freiberufler finanzieren aus ihrem Honorar zum großen Teil private Lebensführungskosten. Betriebsausgaben haben sie tendenziell weniger. Meist werden nur letztere von der Corona-Hilfe aufgefangen. Das bringt viele Solo-Selbstständige an den Rand ihrer Möglichkeiten — beruflich und privat. Viele Hilfen, wie das Kurzarbeitergeld und ein zusätzlicher Kündigungsschutz,  kommen zudem den Selbstständigen nicht zugute. Die Miet- oder Steuerstundungen helfen ihnen vorübergehend, fallen aber später umso schwerer ins Budget.

CBS: Sie haben selbst 2010 Ihr Unternehmen „Promotion + Erfolg“ gegründet. Wieso sollten sich Gründungswillige in der aktuellen Zeit nicht davon abbringen lassen, ihre Geschäftsideen zu realisieren?

Dr. Anouschka Strang: Motivation, Kompetenzen und Intuition haben mich auf meinem eigenen Gründungsweg begleitet. Das war von äußeren Faktoren eher unabhängig gestaltet. Ich wollte damals unbedingt testen, ob meine Ideen ankommen. Im „schlimmsten Fall“ hätte ich mich ja auch wieder auf einen Angestelltenjob bewerben können. Eine Katastrophe wäre das nicht gewesen. So sehe ich das auch heute noch. Eine Existenzgründung aus der Not heraus, weil es mit den Bewerbungen nicht geklappt hat, das sollte man jedoch genau prüfen, auch mit Unterstützung von außen.

CBS: Gibt es aus Ihrer Sicht das „Unternehmergen“? Was zeichnet einen guten Gründer aus?

Dr. Anouschka Strang: Eine Unternehmerin glaubt an sich und ihre Ideen, kennt ihre Schwächen und konzentriert sich auf ihre Stärken. Sie erledigt Kaltakquise, Buchhaltung und Steuer, auch wenn sie es nicht gerne macht. Sich externe Hilfe organisieren sowie berufliche und persönliche Weiterentwicklung sind ihr selbstverständlich. Sie pflegt ihre Resilienz und Elfmeter-Kompetenz, d.h. sie stellt sich unabhängig von Wahrscheinlichkeiten auf die Bühne, bietet ihr Produkt an und zehrt nachhaltig vom Halten der Auftraggeber.

CBS: Welche Möglichkeiten gibt es für Gründer/innen und Freiberufler/-innen, um die Krise positiv für ihr Unternehmen zu nutzen?

Dr. Anouschka Strang: Wer jetzt kreativ und flexibel ist, kann zusätzlich punkten, auch zukünftig: Das digitale Seminarangebot statt nur Präsenztrainings, die Weitergabe von Krisentipps für eine bestimmte Zielgruppe oder eine kreative Dienstleistung, die unerwartet zur Marke generiert – all das sind Markterweiterungen, die auf fruchtbaren Boden treffen. Aktuell erscheint es so, als wären die Erwartungen relativiert, Klienten und Auftraggeber sind oft froh, wenn eigeninitiativ neue Wege für bestehenden Bedarf unter Corona-Bedingungen angeboten werden. In der Krise stehen viele Türen offen, mitunter werden die „Karten“ neu gemischt.

CBS: Glauben Sie an einen Gründerboom nach der Krise? Woran machen Sie dies fest?

Dr. Anouschka Strang: Ich sehe da keinen unmittelbaren Zusammenhang. Schon in meinem VWL-Studium glaubte ich nicht an die direkte Korrelation von externen Hebeln wie Steuerlast und Existenzgründungen. Eine Ausnahme besteht aus meiner Sicht nur in Höhe und Ausgestaltung des Gründerzuschusses. Für mich hat Gründerboom eher mit einer vielseitigen Gesellschaft, mit mutiger Atmosphäre, Neugier und Lebenslust zu tun. Der individuelle Erfolg einer Existenzgründung hat vornehmlich etwas mit der eigenen Energiebalance, Kompetenzen und Kreativität sowie auch etwas Glück zu tun. Für mich entsteht Erfolg vor allem durch persönliche Begeisterung.

CBS: Vielen Dank für das Interview!

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