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Simon Wächter, 5 März 2014

Es war noch nie so einfach ein Unternehmen zu gründen

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Michael Silberberger, Gründer und Vorstand von firma.de, spricht im Interview darüber, warum MUT die Erfolgsformel der Unternehmensgründung ist und ob Anzugträger oder Nerds die besseren Gründer sind.

Was macht einen erfolgreichen (Firmen-)Gründer aus?

Grundsätzliche Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Ausdauer, Veränderungsbereitschaft und die Fähigkeit, sich gegen jegliche Widerstände durchzusetzen, sollte der Gründer immer mitbringen. Eine typische Faustformel darüber hinaus gibt es jedoch nicht. Gründer von Hochtechnologie-Unternehmen oder IT-Dienstleistern werden oftmals von Außenstehenden als „Nerd“ bezeichnet, können aber ebenso eine erfolgreiche Firmengründung vollziehen, wie der Anzug tragende Betriebswirtschaftler, der einen komplett anderen Background hat.

Und wie sehen das die Geldgeber?

Investoren bevorzugen oftmals Teams, genauer, Gründerteams. Diese haben den Vorteil, dass durch verschiedene Personen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass notwendige Kompetenzen und Qualifikationen umfassender abgedeckt werden. Zudem hat es für die Gründer den Vorteil, dass es mehr Spaß macht, im Team zu arbeiten, anstatt alles alleine machen zu „müssen“.

Was sollte man grundsätzlich vor der Unternehmensgründung bedenken?

Ich kann jedem angehenden Unternehmer das Buch von Prof. Dr. Günter Faltin „Kopf schlägt Kapital“ empfehlen. Dort wird ausführlich und leicht verständlich erklärt, wie trotz geringem Startkapital eine erfolgreiche Unternehmensgründung funktionieren kann. Ein weiterer wichtiger Punkt bei jeder Gründung ist die Wahl der Unternehmensform.

Was sollte ein Gründer dabei beachten?

Die Haftungsbeschränkung durch eine Kapitalgesellschaft ist für angehende Unternehmer ein absolutes Muss. Nur so kann man sein Privatvermögen für den schlimmsten Fall schützen. Dabei ist die Gründung einer Kapitalgesellschaft alles andere als teuer: Eine UG kann bereits ab 99 Euro netto gegründet werden. Ansonsten bleibt nur zu sagen: MACHEN!!!! Es war meiner Meinung nach noch nie so einfach, ein Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu werden.

Klingt recht einfach, aber woran scheitern dann aber die meisten StartUps?

Oft hört man die Aussage, dass 30 Prozent der Gründer in den ersten drei Jahren scheitern. In der Regel gibt es nicht nur den einen Grund für diese Unternehmensschließungen, sondern meist kommen verschiedene Faktoren zusammen. Einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zufolge, sind die häufigsten Faktoren, die zu einer Unternehmensschließung führen

• eine zu starke Bindung an den Kunden,
• fehlende Controlling-Kenntnisse,
• ein zu kurzer Planungshorizont,
• Fehlinvestitionen,
• mangelnde organisatorische Fähigkeiten des Unternehmers,
• ein zu starker Zielgruppenfokus,
• schlecht kalkulierte Preise (zu hoch oder nicht kostendeckend),
• und eine unpassende Werbestrategie.

Scheitern viele Gründer also aufgrund persönlicher Schwächen?

Ja, die Aufzählung macht eines recht schnell deutlich: Außenfaktoren, wie z.B. wegbrechende Märkte, sind in den seltensten Fällen der Grund für eine Unternehmensschließung. Die absolute Mehrheit der Unternehmen geht aufgrund mangelnder Kenntnisse der Gründer in strategischen und organisatorischen Fragen unter. Fehlende Kompetenzen in diesen Kompetenzbereichen, können durch gute Berater oder Inanspruchnahme externer Dienstleister aber ausgeglichen und ausgebaut werden. Dazu sollte noch erwähnt werden, dass viele Beratungsleistungen vom Staat bezuschusst werden, wodurch sie für quasi jeden Unternehmer erschwinglich sind.

Welche Tipps können Sie Studierenden zur Firmengründung geben?

Vor einer Unternehmensgründung sollte man sich mit der Lean StartUp Methode und dem Business Modell Canvas auseinandersetzen. Beide Modelle sind wichtige Grundlagen für einen erfolgreichen Start ins Unternehmerleben. Hat man dies gemacht, gilt: „MUT“ – Machen und Triumphieren, d.h., wirklich ausprobieren. Viele Geschäftsmodelle benötigen kein oder kaum Kapital, um wirklich erfolgreich zu werden. Selbst wenn die erste Geschäftsidee nicht auf Anhieb funktioniert, wurden wichtige Erfahrungen für den nächsten Versuch gesammelt. Da greift auch, was ich vorhin bereits erwähnt hatte: Unbedingt eine haftungsbeschränkte Unternehmensform wählen. So kann man sich finanziell schnell von Rückschlägen erholen und den nächsten Anlauf starten.

Und woher kommt das Geld?

Wird Kapital für ein Geschäftsmodell benötigt, eignen sich Finanzierungen über Business Angels oder Venture Capital Fonds (Beteiligungsgesellschaften). Wichtig für professionelle Investoren ist der „proof of concept“, also dass in einer kleinen Nische, in einem kleinen Marktsegment die ersten Erfolge realisiert sind. Auf unzähligen Veranstaltungen, u.a. im Rhein-Main-Gebiet und Berlin, gibt es viele Kontaktmöglichkeiten zu Investoren. Auch gibt es Initiativen, wie bspw. den Klub der Gründer vom Bund Junger Unternehmer, die regelmäßig kostenlose Informationsveranstaltungen anbieten – ideal für Studierenden, die ein eigenes Unternehmen planen.

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Das Interview führte Simon Wächter

Zur Person: Michael Silberberger ist Gründer und Vorstand von firma.de. Sein Unternehmen berät Gründer und hat bereits 25.000 Unternehmensgründungen begleitet. Michael Silberberger selbst hat zahlreiche Gründungserfahrungen aus erfolgreichen Unternehmen wie jobsintown.de, Go Ahead und semigator.de.

Lesetipp:

Tilman Au, Gründer des IT-Dienstleisters NIDAG, spricht hier, über seine persönlichen Erfahrungen als Unternehmensgründer und verrät, was ein erfolgreicher Gründer braucht und welche Risiken es gibt.

Simon Wächter

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